Eine Rundfahrt in München

Unsere schöne Landeshauptstadt! Vom Bahnhof in München beginnend, eine Rundtour entlang der schönsten und bekanntesten Plätze von München. 66km, sehr flach.




23. 5. 2017 GPX-Viewer



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Karte bei gpsies.com:



München leuchtet! Die Landeshauptstadt bietet eine Überfülle an Sehenswürdigkeiten und schönen Plätzen, es ist geradezu unmöglich Sie in einer Reihe abzufahren.

Ich habe hier mal versucht, in einer Rundtour, die mehr einer verknickten liegenden Acht ähnelt als einem Kreis, eine passable Tour zusammenzustellen. Die wichtigen Punkte auf der Karte sind im wesentlichen dabei, aber ich kann nur hier mehr als ohnehin schon wie bei jeder anderen Tour darauf hinweisen, dass man jederzeit von der Strecke abweichen kann um sich etwas genauer umzusehen.

Der Münchener Autoverkehr ist als dicht, ruppig und hupfreudig verschrieen; oft schiebt man das auf den Fön, aber dann wäre jeden Tag Fön. Tatsächlich stimmt das nur an den verkehrsreichen breiten Straßen wie dem Mittleren Ring. Gerade diese Straßen verfügen aber fast immer über einen separaten Radweg.

In Schwabing beispielsweise ist man durch den studentischen Radverkehr durchaus an Zweiräder gewöhnt. Hier fährt man als Radfahrer auch mittig auf der eigenen Straßenhälfte, genauso wie ein Auto, das ist sogar verkehrstechnisch sogar sicherer.

Andererseits fällt auch niemandem ein Zacken aus der Krone wenn man z.B bei dichtem Aufkommen von Fußgängern an einer Ampel auch mal selber einige Meter schiebt, oder wenn eine Baustelle kommt.

Nochmals sei betont, dass im Zweifelsfall stets die Verkehrsregeln einzuhalten sind. Besser zweimal schauen und Vorsicht walten lassen als dass die einen nachher vom Asphalt runterkratzen müssen.


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Die Tour beginnt am Hauptbahnhof, wo man aufgrund des dichten Gedränges das Rad besser schiebt. An der Luisenstraße beginnt dann ein Radweg, der zunächst zum Königsplatz führt.

Der großzügig angelegte Platz stammt aus der Zeit König Ludwigs des Ersten und wurde von Leo von Klenze realisiert, der auch in Ingolstadt Spuren hinterlassen hat.

Er sollte die griechische Antike und ihre ästhetischen Ideale, denen man damals nacheiferte, nach München holen; heute ist er im Grunde Teil der Briennerstraße, der ersten Prachtstraße von München. Ihr folgt die Tour ein Stück weit bis zum Obelisken, der an die gefallenen bayrischen Soldaten bei Napoleons Russlandfeldzug gemahnt.

Vorbei an den drei Münchner Pinakotheken führt die Tour nun in den Norden Schwabings und kehrt auf der nächsten Prachtstraße, der Ludwigsstraße zurück in den Süden, vorbei an den Brunnen der Universität und der weithin sichtbaren, unverkennbaren Ludwigskirche.

Durch den Hofgarten und entlang der Staatskanzlei biegt die Tour dann an der Eisbach-Surferwelle in den Englischen Garten ein.

Das Monopteros kommt in Sichtweite, später der Großhesselloher See mit seinem bekanntem Biergarten am Chinesischen Turm.

Nackerte gibt es seit Erfindung der Smartphones mit Fotofunktion fast keine mehr, und auch der Handel und Konsum von illegalen Kräutern ist in den letzten zwanzig Jahren spürbar zurückgegangen.

Auch am Groshesselloher See gibt es Einkehrmöglichkeiten; wer viel Zeit mitbringt kann eine Runde auf den Tretbooten mieten.

Über die J.F.Kennedy-Brücke wendet sich die Tour nun ins großstädtische München, in den Arabellapark mit seinen Hochhäusern. Das ganze Areal ist nach Figuren aus den Opern von Richard Strauss benannt, das gibt einen Rosenkavalierplatz und eine Elektrastraße. Mit der Bezeichnung Park ist hier ein Industriepark gemeint, größere Grünflächen finden sich hier nicht.

Und so hochgespannt wie die Strauss´sche Harmonik sind auch die Gebäude hier, zwanzig oder dreißig Stockwerke sind hier gewollt und genehmigt worden. Das Hypo-Haus (Genauer: HVB Tower) ist weithin sichtbar und mittlerweise sogar denkmalgeschützt. Höher als er ist hier nur noch das Hochhaus Uptown München (mit der O2-Werbung). Direkt in seiner Nachbarschaft: Die stählerne Mae West.

Eine Stadt bietet als Radrundfahrt dicht beieinanderliegend neben Grünanlagen und Hochhäusern auch Historisches: Der Friedensengel erinnert an das Ende des Detusch-Französischen Krieges 1870/71 und den Friedensvertrag. Dargestellt ist aber keine Friedensgöttin, sondern die griechische Siegesgöttin Nike. Die damals begangenen Massaker behielt man so in Erinnerung bin zu den Weltkriegen wo sie fortgesetzt wurden.

Im Spätsommer bietet sich an manchen Abenden hier ein kleines Wunder: Wenn die Sonne sich genau dort dem Horizont entgegenbewegt, wo die Prinzregentenstraße schnurgerade hinläuft, scheint sich für einige Minuten den Wasserstrahl des Brunnens an, während alles andere bereits im Schatten liegt: Eine Fontäne aus leuchtendem Gold.

Die Tour mäandert nun entlang der Isar, und dreht eine Ehrenrunde um das Maximilianeum, dem Sitz des Bayrischen Parlaments. Vorbei an reizvollen Isarbrücken, die man auch überqueren kann um an der nördlichen Isar weiter zu fahren. Radwege gibt es hier en masse.

Direkt neben der Ludwigsbrücke (am Deutschen Museum) zb befindet sich am Vater-Rhein-Brunnen der Kulturstrand. Zwischen Wittelsbacher brücke und Corneluisbrücke liegt die Weideninsel, die bei der Renaturierung der Isar sei es als Ballermanngelände oder als Tierschutzgebiet für einige Diskussionen gesorgt hatte.

An der Wittelsbacherbrücke trennt sich die Strecke von Isarstrand und besucht die Candidstraße. Sie ist Teil des Mittleren Rings und daher sehr verkehrsreich, aber auch das ist typisch München. Stets führt ein separater Radweg neben der Straße, und es folgt eine schöne, sanft langgezogene Bergabstrecke mit einigen schönen Aussichten über München. Die Sehenswürdigkeit ist aber der Verlauf der Candidstraße, die zweigeteilt, teils nebeneinander (siebenspurig) teils übereinander, den Isarhang (Candidberg) überwindet. (Wer sich das Betongebirge nicht anzun will bleibt einfach am Isarufer.)

Weit im Süden von München liegt der Flaucher, ein weitläufiges Grünfläche das von mehreren Isararmen durchzogen wird und gerade im Sommer neben den E-Garten das Erholungsgebiet der Münchner schlechthin darstellt.

Die Tour überquert den Flaucher stilecht auf dem Flauchersteg. Auf dem Steg selbst ist Schieben angesagt, aber an den vielen Radfahrern die trotzdem fahren stört sich niemand, solange der Fahrstil vorausschauend und berechenbar ist.

Was wäre München ohne die Theresienwiese. Es gäbe keinen Sommertollwood, und auch keinen Wintertollwood. Und auch die Bavaria müsste man woanders unterbringen, was gar nicht so leicht wäre. Tagsüber kann dan dieses Koloss innen betreten (bis 18:00 Uhr); von dort aus lässt sich die Wiese wunderbar überblicken. Der Andrang ist im Spätsommer etwas größer, vor allem Ende September.

Über die Hackerbrücke, die einen schönen Überblick über den Bahnhof und sein Gleisnetz bietet und den neuen Busbahnhof von München passiert, wendet sich die Tour nach Norden. Zuerst durch den wenig bekannten aber wunderbaren Luitpoldpark. , dann entlang der weltbekannten Formen des Olympiageländes.

Südlich der Strecke, in Sichtweite, ist ein Aussichtspunkt, der Olympiaberg. Man kann das Rad irgendwo festmachen und ihn zu Fuß ersteigen, das lohnt sich!

Entlang der Landshuter Allee, einer der breiten Hauptschlagadern des Münchner Verkehrs, erreicht die Strecke den Hirschgarten, einen sehenswerten, ruhigen Biergarten im Nordosten eines Parks.

Der Name passt immer noch: In Freigehegen werden junge Rehe gehalten, vor denen Eltern wie Kinder gleichermaßen stehen und gucken. An den Ständen gibt es Brotzeit von Steckerlfisch bis Käseplatten, und der Biergarten selber ist sehr weitläufig und, wie es sich gehört, überdacht vom Laub alter Bäume.

Schloss Nymphenburg, die Sommerresidenz der Wittelsbacher, ist eine der großen historischen Sehenswürdigkeiten in München. Allerdings ist im Park des Schlosses das Radfahren verboten, sogar schieben ist nicht erlaubt. Hier ist strikte Fußgängerzone.

So sehr sich Touristen aus aller Welt in Nymphenburg tummeln so wenig ist Schloss Blutenburg bekannt. Hier finden Veranstaltungen, Tagungen, aber auch Hochzeiten und andere hohe Feste statt. Es gibt hier eine Schlosschänke und im Sommer eine Seeterasse, die für Besucher und Gäste offen steht.

Nun überquert die Strecke den in Ostwestrichtung verlaufenden Gleisstrang, der, wenn der Hauptbahnhof das Hirn wäre, selbst das Rückenmark von München darstellen würde.

Über den Pasinger Marienplatz (ja, auch den gibt es) und den Stadtpark greift die Strecke nach Süden aus durch Blumenau und Neuhadern und durchquert dort auch das weniger großstädtische, normalere München.

Schließlich münder die Tour ind den Westpark ein, der weit weniger bekannt ist als der Englische Garten, diesen aber in nichts nach steht. er wurde im Rahmen der Internationale Gartenbauausstellung (IGA) 1983 angelegt und verfügt über mehr gestaltete Areale als der betont naturbelassen scheinende Englische Garten. Es gibt einen Rosengarten, Staudengärten und ein Ostasien-Ensemble, außerdem Teichanlagen und natürlich einige Wirtschaften.

Die Lindwurmstraße, die sich langgezogen und geradlinig räkelt wie der Drache Fafner, führt schließlich auf einen besonders markanten münchnerischen Platz, den Sendlinger Tor. Hier, kurz vor Schluss , kann man sich nach Norden in Richtung Stachus / Hauptbahnhof entlang der Sonnenstraße entscheiden.

Viel interessanter ist allerdings ein Abstecher in die Innenstadt, wo neben den vielen Geschäften der Kaufingerstraße auch das Rathaus und die Frauenkirche warten.

Auf dem Turm der Kirche von St Peter ("Der Alte Peter") ist ganzjägrig bis zum frühen Abend eine Aussichtsplattform geöffnet. Man betritt zunächst einen Innenraum (in dem Höhenangstgeplagte bleiben können), durch Türen erreicht man einen gesicherten umlaufenden Außenbalkon. Der Eintrittspreis ist gering aber die Aussicht in 56 m Höhe nach ca 300 Stufen grandios.

Wer auf einen besonderen Spass Lust hat: Ab etwa 21 Uhr (kann sich jederzeit ändern, bitte Regeln beachten) ist die Fußgängerzone für Radfahrer geöffnet, d.h. man muss nicht schieben und der stark abflauende Besucherstrom erlaubt sogar eine gewisse zügigere, wennauch schlendernde Fahrweise. Flanieren auf zwei Rädern.




Weitere Ausflugsziele

Ein ganz besonderes Ausflugsziel ist das alleinstehende Windrad im Münchner Norden auf dem Fröttmaninger Berg. Es liegt nicht weit von der Allianz-Arena entfernt und beide sind mit einer Brücke über die Autobahn verbunden. Von hier aus hat man einen großartigen Überblick über ganz München und auch in Richtung Norden. Der Windradberg ist gut (asphaltiert) befahrbar per Rad, allerdings sind die Steigungen mitunter ganz deftig. Ohne absteigen kommen da wohl nur trainierte Mountainbikefahrer hoch. Durch den Englischen Garten sollte ein machbarer Weg führen, die Ungererstraße führt ebenso zuverlässig mit einem ununterbrochenen separaten Radwegvon Schwabing aus bis zum Berg.

Der Fröttmaninger See im Nordwesten von München ist ein wunderbarer sauberer großer Baggersee mit so klarem Waser wie man es selten findet. Am Nordufer wird gegrillt mit viel Bohei, ab Südufer dagegen geht es ruhiger zu, hier liest man oder stöpselt sich den mp3Player ins Ohr. Allerdings ist das Wasser ziemlich frisch, wirklich genau richtig ist es von der Temperatur her erst wenn man schon drin ist.




Streckencharakter

Entlang der großen Straßen stets mit separatem Radweg. Fehlt ein separater Radweg, dann nur an schwachbefahreren Straßen auf kurzen Strecken.

Bei der Einfahrt in die Fußgängerzone am Ende des Oberanger endet ca 500 m vor dem Marienplatz der Radweg. Hier faren meist mehr Radfahrer als Autos, und man fährt hier als Radfahrer mittig auf der eingenen Straßenhälfte. Die Autofahrer sind das so gewohnt. Einfach den Einheimischen hinterherfahren.

Wo das Radfahren nicht erlaubt ist, ist selbstverständlich schieben angesagt, z.B in der Kaufingerstraße und Neuhauserstraße tagsüber, oder auf dem Flauchersteg oder andere kurze Passagen wie z.B der Hohenzollernplatz.




Haftungsausschluss

Normalerweise setze ich eine Strecke hier bei Radtouren-ingolstadt.de rein wenn ich sie selbst komplett mindestens einmal abgefahren habe. Diesmal ist das anders, diese Tour setzt sich aus mehreren Teilstücken zusammen, die ich zwar allesamt kenne, die ich aber nicht in einem Stück abgefahren habe sondern in mehreren Teilstücken an verschiedenen Tagen im Jahr. Man sieht das auch auf den Fotos. Für mich wirkt diese Strecke daher ein bisschen konstruiert, nur, bei einer solchen Fülle an Punkten auf der Landkarte die man unterkriegen will geht das schon gar nicht anders.

Ich werde nächstes Jahr zu Saisonbeginn diese Strecke fahren, Meter für Meter. Und hoffentlich keine blaues Wunder erleben wenn ich irgendwo zB in Olching strande oder den Söder beim Interview vor lauter gpx-Handyschaun übern Haufen fahr.




Die Münchner Radlnacht

Seit 2009 findet jedes Jahr im Sommer die Münchner Radlnacht statt. Dabei wird auf einer Strecke von ca 16 km die Straße für motorisiertem Verkehr für einige Stunden komplett gesperrt, und den Radfahrern, die sonst auf Radwegen fahren, steht die gesamte Breite der Straße zur Verfügung. Das ganze wird überwacht und hervorragend organisiert von der Münchener Polizei und vielen Ehrenamtlichen. Startpunkt ist der Königsplatz.

Da fahren so manche echte Hingucker mit, die mit LEDs oder leuchtenden Schnüren ausgestattet sind und im Dunkeln unglaublich stylish aussehen; aber auch so einige Räder sind improvisiert dekoriert, mit Wimpeln, Monkeylights, kurzen LED-Weihnachtslichterketten, Lametta oder einer sich drehenden beleuchteten Discokugel auf dem Gepäckträger.

Insgesamt eine Riesengaudi und eine der originellsten und witzigsten Radtouren die man sich vorstellen kann.

2018 sollte es um 20:30 Uhr losgehen. Um 20:32 hatte der Moderator noch immer das Mikro in der Hand und redete; da haben halb aus Ungelduld und halb aus Gaudi 19 000 Radfahrer mit der Klingel protestiert. Das muss man sich mal vorstellen wie sich das anhört. Das war einfach nur geil!




Rückfahrt

Zwischen München und Ingolstadt verkehrt der München-Nürnberg-Express. Die Verbindung von und nach Ingolstadt ist daher hervorragend. Zur Zeit (Stand 2018) fährt der letzte Regionalzug ab München etwa um 0:30 Uhr, das lässt abends sehr viel Zeit.




Fazit

München lässt sich hervorragen mit dem ÖPNV befahren, vor allem mit der U-Bahn.- Nur, die taucht auf wie ein U-Boot, irgendwo in der Fläche. Bei einer Radfahrt bekommt man ein Gefühl für die großen Linien die zusammen die Geometrie einer Stadt ausmachen. Das ist wie eine Stadt von oben anzusehen über google maps, nur dass man mitten drin und live dabei ist.